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Rezension von Tom Schäfer

CD des Monats STICKS Ausgabe Februar 2010 

King of Agogik - The Rhythmic Drawing Room

Musik in Worte zu fassen ist oft schwierig, doch in diesem Fall erschien die Beschreibung
dessen, was sich Schlagzeuger Hans Jörg Schmitz mal wieder ausgedacht hat,
schlichtweg unmöglich. Das kreative Potential des Mannes muss unerschöpflich sein,
 folglich ist sein drittes Solo-Album nun als Doppel-CD erschienen, auf der die 20 Werke
des Künstlers gerade mal Platz finden. Mit fast 2  1/2 Stunden Hörmaterial begeben
wir uns in sein privates Heim - in ein rhythmisches Gesellschaftszimmer - dessen
Einrichtungsgegenstände den Schock in die Glieder fahren lassen. Schock im
positiven Sinne jedoch, denn bedenkt man einmal den Namen des Projektes
"King of Agogik", so begenen wir  hier dem König einer quicklebendigen Musikwelt,
die vor rein gar nichts zurückschreckt und sich keienm Dogma beugt.
Rhythmische Kreativität ist ein zentrales Thema diese Album, wobei etliche
Ostinate-Drumming-Passagen in turbulenten Metren nicht nur die schlagzeugerische
Finesse untermauern, sondern gleichsam den Zuhörer auf eien waghalsige
 Achterbahnfahrt schicken, die unvorhersehbare Überraschungsmoment bereit hält.

"The Rhythmic Drawing Room" ist zwar die Solo-Platte eines Schlagzeugers,
doch keine typische Schlagzeugerplatte, weil hier neben den Drums auch
das gesamte Spektrum der instrumentalen Musik zum Zuge kommt.
Durchweg trägt der Klangkosmos ausgeprägte Prog-Rock-Züge,
zum Teil durch aberwitzige Arrangements auch mit zappaesken
Schattierungen ausgestattet. Im nächsten Moment fliegen einem völlig groteske
Musikschnipsel um die Ohren, und dann wiederum gleitet man in Erholungphasen
einer old style Genesis-Mellotron-Klangwelt, die kurz drauf durch den ungestümen
Szenenwechsel dem Metal-Mania-Wahn freien Lauf gibt.
"The Rhythmic Drawing Room" klingt wie ein Fotoalbum, dessen Bilder
schwärmerisch mit Colorierungen a la Yes, Genesis, Grobschnitt und Zappa
umgehen, wobei "epische" Motive ebenso vertreten sind wie hymnenhafte
Melodien mit Ohrwurmcharakter. Und immer wieder sind kleine Intermezzi
eingebaut, die Motive und Szenerien trennen oder verbinden, wobei diese erfrischend
getrommelten Kabinettstückchen gerne mal skurillen Monty-Python-Humor bieten.

Für die Realisierung dieses sehr ungewöhnlichen Projektes hat sich
Hans Jörg Schmitz einige Gäste eingeladen.
Dago Wilms - Gitarren, Bass und Mandoline
Volker Cornet, Michael Schmoigl, Mathias Borbonus - Bass
Michael Elzer - Chapman Stick
Erik Vaxjö - Mellotron, Moog
Enno Nilson und Philipp Schmitz  - Keyboards

Die CD klingt sauber, filigran und detailiert, und dass Hans Jörg Schmitz
ein großartiger Schlagzeuger ist, steht ausser Zweifel.
Darüber hinaus hat er das Zeug dazu, auch mal extremere Wege zu gehen,
um seine blühende Fantasie auszuleben.

"The Rhythmic Drawing Room":

EINZIGARTIG, absolut höhrenswert - man möchte beinahe sagen: GENIAL!

 

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